Mia interviewt Canty zum Thema Klettern

  • Mia

Canty, du hast mir einmal erzählt, dass du viel zum Klettern gehst. Irgendwie kann ich mir das Klettern bei Parkis nicht vorstellen. Unsere Füße kleben teilweise fast am Boden und du hebst beim Klettern sozusagen vom Boden ab. Wie bist du eigentlich auf die Idee gekommen das Klettern auszuprobieren.

  • Canty

Neugierde

Ein Kletterartikel in der Zeitschrift des Alpenvereins zum Thema Parkinson hat meine Neugierde geweckt. Ich habe dann etwas recherchiert und Kontakt aufgenommen. Und schon wurde ich zum Schnupperklettern in der DAV-Halle in München Thalkirchen eingeladen. Ich war total überwältigt von der Höhe der Kletterwände, den Überhängen und dem bunten Treiben auf der vertikalen Spielwiese.

  • Mia

Ja, das kann ich verstehen. Neugierde ist auch mein zweiter Vorname. Und dann durftest du gleich beim Ersten Mal klettern?

  • Canty

Ja, meine allererste Route. Zuerst erfolgte natürlich eine ausführliche Einweisung, mit Anlegen des Sicherungsgurts, Knotenbinden und Partnercheck.

  • Mia

War das nicht Stress pur? Bei mir hätte sich dann sofort Parki gemeldet. Hattest du keine Angst? Wie ging es dir in dem Moment?

  • Canty

Ich war irgendwie fasziniert und aufgeregt. Aber dennoch ruhig und äußerst konzentriert. Vor allem war ich froh um jeden Hinweis, der von unten kam. Meine volle Aufmerksamkeit galt der Kletterwand, der richtigen Griff- und Trittfolge. Zwischendurch kam schon eine gewisse Unsicherheit auf! Ob mich meine Sicherungspartnerin auch wirklich halten würde?

  • Mia

Und du hast es tatsächlich bis ganz oben geschafft?

  • Canty

Ja. Es war keine hohe Route. Aber, ich war ganz oben! Das war Teil Eins. Aber wie wieder herunter? Ich musste loslassen, um abgelassen zu werden. Ein Gefühl des Ausgeliefertseins und der Angst überkam mich. Es fiel mir sehr schwer, mich darauf einzulassen. Ich hing im Seil, ob ich gerade notgelandet wäre! Aber es gelang und ich war danach sehr stolz auf mich. Ein unbeschreibliches Gefühl. Kaum zu glauben, soweit oben war ich? Euphorie machte sich breit.

  • Mia

Hattest du nie Angst davor unterm Klettern in ein OFF zu fallen?

  • Canty

Nein, kein einziges Mal. Zumindest bis heute nicht.

  • Mia

Canty, mal abgesehen vom Spaßfaktor, von was profitierst du beim Klettern am meisten?

  • Canty

Während des Kletterns gibt es nichts anderes um mich herum – kein Gedankenkreisen um Parkinson – nichts! Parkinson ist ausgeblendet. Das ist einerseits anstrengend, andererseits aber auch mental entlastend. Parkinson bleibt unten! Mia, geh mal irgendwo eine Leiter hoch! Du wirst merken, das klappt!

  • Mia

Das mit der Leiter müsste ich einmal ausprobieren, allerdings kann ich dir bestätigen, wenn es mir schlecht geht, kann ich trotzdem gut Treppen nach oben gehen.

  • Canty

Mia, du wolltest wissen, von was ich beim Klettern noch profitiere? Meine Ausdauer, Koordination und Konzentration haben sich erheblich verbessert. Außerdem Muskeln und Beweglichkeit gestärkt. Sogar meine Physiotherapeutin bestätigt mir eine signifikante Verbesserung des Gleichgewichts, Körperhaltung und Körperspannung. Ich bin ich mir sicher, dass auch soziale und psychische Faktoren eine Rolle spielen. Wir sind eine kleine, sehr nette Klettergruppe, die auch gerne noch zusammen sitzt. Durch die Herausforderungen an der Kletterwand habe ich auch das Gefühl, schwierige Alltagssituationen aus eigener Kraft meistern zu können. Ich finde, das Beste am Klettern, außer dem Spaß und der Begeisterung ist: Parkinson ist weg! Alles, was das Leben ausmacht ist da! Wie wertvoll Klettern für mich ist und wie sehr es mir fehlen würde, machte sich besonders während der Corona-bedingten Zwangspause bemerkbar.

  • Mia

Vielen Dank, Canty. Das war interessant. Vielleicht probiere ich es doch mal aus!?

Oktober 2021 Mia rt1.jpg Erweiterung Kletterhalle DAV in Reutlingen – tragwerkeplus

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frag Paoli