Die Krankheit hat Einfluss auf alle Lebensbereiche.

Einige mögliche Auswirkungen.

An guten Tagen fährt er Fahrrad.

An schlechten schiebt er es. Stehen bleiben will er jedenfalls nicht.

15 Minuten braucht er, um ein Hemd zuzuknöpfen. An schlechten Tagen jedenfalls. An guten steigt Frank Michler aufs Fahrrad, fährt durch Saarlouis. Doch einen Begleiter hat er dabei immer im Gepäck: Parkinson.

Michler ist 56 Jahre alt und lebt in Saarlouis. Früher arbeitete er als Busfahrer, fuhr auch mit dem Auto in Urlaub. . Heute geht das nicht mehr, sagt er. Zu sehr hat ihn die chronische Krankheit im Griff, bei der Nervenzellen absterben, die Dopamin produzieren. Der Botenstoff ist jedoch wichtig für die Bewegungssteuerung. Ohne ihn werden Muskeln steif und Betroffene bewegen sich langsamer, fangen an, unkontrolliert mit der Hand zu zittern. Der Welt-Parkinson-Tag an diesem Samstag, 11. April, rückt die Krankheit in den Fokus.

Frank Michler aus Saarlouis erhält mit 41 Jahren die Diagnose Parkinson, bei dem Saarlouiser zeigt die Krankheit jedoch zunächst ein anderes Bild. „Mit Anfang 30 kamen die ersten Symptome“, erzählt der 56-Jährige, plötzlich begleiten ihn Angst- und Panikattacken. Der Besuch im Supermarkt oder der Bummel durch die französische Straße – für den ehemaligen Busfahrer auf einmal nicht mehr möglich, zu intensiv sind die Zustände. „Außerdem hatte ich Schulterschmerzen und meine Schrift wurde krakelig, richtig unleserlich.“ Er ging zum Arzt, doch niemand wusste Rat. „Die Ungewissheit war das Schlimmste.“ Erst als 2011 seine Finger anfangen zu zittern, erhält Michler Klarheit: Es ist Parkinson. Da ist er 41 Jahre alt. Die Diagnose damals ein Schock, wie eine Ohrfeige, beschreibt er es. Wie viele andere wusste er nicht, dass psychische Erschöpfung und Angstzustände Begleiterscheinungen sein können. Seither ist ihm bewusst: „Zehn Jahre, bevor die Krankheit nach außen sichtbar wird, gibt es die ersten Anzeichen. Und zehn Prozent der Betroffenen sind unter 40 Jahre alt.“ Auf Anraten der Ärzte beginnt Michler, Medikamente zu nehmen. „Anfangs waren es zwei. Heute sind es 16“, erzählt der Saarlouiser, der mehrere Dopamin-Präparate schluckt. „Ich bin tablettenabhängig, ohne süchtig zu sein.“

Fokussierter Ultraschall hilft gegen das Zittern der Hände Trotz der Vielzahl der Medikamente und obwohl diese das Fortschreiten der Krankheit nicht bremsen, will der ehemalige Beauftragte der Stadt Saarlouis für die Belange von Menschen mit Behinderung sie nicht missen. Dank ihnen „habe ich wieder Lebensqualität im Alltag“, sagt der 56-Jährige, der sich 2021 überdies zu einem Eingriff entschließt. Das Zittern der Hand ist inzwischen so allgegenwärtig, dass er vermeintlich einfache Dinge, wie das Heben eines Bechers nicht mehr machen kann. Deshalb fährt er nach Kiel und unterzieht sich dort, als siebter Patient überhaupt, am Universitätsklinikum einem MRT-gesteuerten fokussierten Ultraschall. Dabei werden gezielt die Nervenzellen verödet, die den Tremor, also das Zittern auslösen. Zwar ist der Tremor dadurch nicht ganz weg, „aber deutlich schwächer.“ Schon kurz darauf kann Michler wieder einen Becher halten. „Nach elf Jahren!“ Sowohl bei ihm als auch bei seiner Frau Christel und den Ärzten ist die Freude tränenreich. 2025 geht es ihm jedoch wieder schlechter. „Wir waren drei Tage in Freiburg im Hotel, aber ich konnte nicht mehr aufstehen.“ Zurück in Saarlouis unterzieht er sich erstmals im DRK-Krankenhaus einer 14-tägigen Komplex-Therapie, die ihm Besserung verschafft. Im Moment hadert er damit, dass seine Stimme leiser wird. Wie Michler seinen Alltag mit Parkinson gestaltet seit 15 Jahren lebt Michler nun mit Parkinson, hat gelernt, nach der Krankheit seinen Alltag zu gestalten. Morgens geht er gerne in die Saarlouiser Innenstadt Kaffee trinken, trifft Freunde oder erledigt kleine Einkäufe. An guten Tagen tritt er dabei in die Pedale, um sein Gleichgewicht zu trainieren, „an anderen Tagen schiebe ich das Fahrrad oder stütze mich darauf ab“, erzählt er. Aus Saarlouis will er nicht weg. „Hier habe ich Gespräche.“ Und ein weiteres Hobby in der Nähe. Sein Nachbar Rainer Meckel ist Oldtimer-Liebhaber und stolzer Besitzer des Citroën DS. „Mein Traumauto“, sagt Michler, der mit Meckel hin und wieder Spritztouren darin unternimmt. „Es gibt nichts Schöneres, als damit durch Saarlouis zu fahren.“

Denn bei allen guten und schlechten Seiten – den Mut und Zuversicht verliert der 56-Jährige dabei nie. Dabei hilft auch seine Frau Christel, die ihm stets eine treue Stütze ist. „Viele Erkrankte machen den Fehler, in der Vergangenheit zu leben“, findet er. Schwelgen zu sehr darin, was sie mal konnten. Michler konzentriert sich lieber auf das, was er noch kann.

Dazu zählt auch, offen über seine Krankheit zu sprechen. Über 130 Vorträge hat er so schon vor Ärzten und angehenden Fachpflegekräften gehalten. Ihnen rät er, zu bedenken: „Hinter jeder Tablette steckt ein Mensch.“ Zudem wünscht er sich, dass, wie in der Schweiz, bei jeder schweren Diagnose ein Psychologe dabei ist und dass Betroffenen ihr Stolz gelassen wird. „Wir haben die Wahl, wie wir mit der Krankheit umgehen“, sagt Michler.

Zelldieb April 2026

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